Mindestlohn essen Kinder auf

Groß war der Aufschrei in Hohenlohe und Umgebung. In einer Nacht-und Nebelaktion wurde der

Mindestlohn von subversiven Kräften in Gesetz gegossen - die Geburtsstunde einer neuen

Dolchstoßlegende. Mit Bedacht schlich sich diese rote Bagage von hinten an und meuchelte

prosperierende Unternehmen auf dem Felde der Weltwirtschaft. Die branchenübergreifenden

Interessenvertreter des Mittelstandes zeigen sich ob des politischen Wendemanövers ihrer geliebten

CSU irritiert. Hinter vorgehaltener Hand fragt man sich schon, ob diese „Hanskaspern“ in Berlin nicht

Beihilfe zum Mord leisten. Wie so oft hat der Oberpfalz Anzeiger den Finger am Puls unserer

Gesellschaft und fühlt nach. Tatort Hohenlohe.

Ein buckeliger Kommunist bestiehlt hinterfotzig einen hart arbeitenden Unternehmer. Historische Darstellung aus dem 16. Jh. von Pieter Brügel d.Ä.
Ein buckeliger Kommunist bestiehlt hinterfotzig einen hart arbeitenden Unternehmer. Historische Darstellung aus dem 16. Jh. von Pieter Brügel d.Ä.

 „Schon seit Urzeiten setzt die bayerische Bevölkerung ihr Kreuz an der richtigen Stelle, zahlt fleißig Steuern und gedenkt stets des viel zu früh verstorbenen F.J. Strauß.“, heißt es im aktuellen Pfarrbrief der Gemeinde St. Aloisius zu Hohenlohe. Fehlende Mitgliedsbeiträge wegen der Kirchenaustritte stehen nun einem Kostenanstieg durch den Mindestlohn gegenüber. Um der betriebswirtschaftlichen Schieflage Herr zu werden, soll bereits ab Februar für den Kirchenbesuch Eintritt verlangt werden. 

Der stetige Geldfluss durch den Klingelbeutel soll mit Predigten aus der eschatologischen Rede Jesu aufrechterhalten werden. (Alternativ durch das Evergreen: die Offenbarung des Johannes) So schmerzhaft die Erfahrungen für die kleine Gemeinde in Hohenlohe auch sind, die große Tragödie spielt sich auf der Weltbühne ab. Die Trennung von Staat und Kirche ist in Bayern und damit auch Deutschland unvorstellbar. Sie sitzen gemeinsam in einem Boot und steuern gegenwärtig auf unruhiger See. Kirchliche Würdenträger fragen sich seit Jahresbeginn, warum die Forderung des Papstes nach einer armen Kirche mit dem Mindestlohn durchgesetzt werden muss. „Irgendwann a mal hom day roudn Sauhund a nu beim Angelusleitn ihre Wurstfinger im Spüll!“, fasst Mesner Hochgesang die Angelegenheit zusammen.

Der Oberpfalz Anzeiger möchte seinen treuen Leserinnen und Lesern nicht die Reaktionen des 

einfachen Mannes auf der Straße vorenthalten. Besonders eingebrannt hat sich – neben dem bunten 

Potpourri aus Hasstiraden wobei dem Wort „Dreegsai“ der Vortritt gelassen wurde – die 

Stellungnahme einer älteren Jungfer. Diese würde nach eigenen Aussagen lieber ein uneheliches Kind 

entbinden, als diesen Mindestlohn ertragen zu müssen. 

Der Hohenloher Heimat- und Kulturverein sieht den Mindestlohn als eine Attacke auf die bayerische 

Gemütlichkeit. So soll die Schlachtschüssel im Gasthaus Stubenvoll nun die längste Zeit 6,50 € 

gekostet haben. Maintinger Toni, seines Zeichens zweiter Vorstand des Kulturvereines, sprach sich 

dem OA gegenüber deutlichst gegen den flächendeckenden Mindestlohn aus: „Den Mindestlohn hod 

da Daifl gseng. Da Preisanstieg regt an jedn aaf, as Diridari siitzd hald nimma so luuga, und iwahapt 

kummt koa gscheide Gsellschaft mehr zam. Unsa Gmaytlichkeit is oans vo die erstn Opfa vo dem 

sozialistischn Grampf dou. D’Frauenbewegung is ja dou a Scheissdreeg dageng!“ Sein Vorschlag wäre 

es den Geltungsbereich des Mindestlohns lediglich auf das Bundesgebiet nördlich der historischen 

Hegemoniegrenze Preußens gegen Bayern und Österreich zu beschränken. Eine Ausnahme dieser 

Regel könnte lediglich für alle ausländischen Arbeitgeber im Freistaat gelten. „Nou kannt ma se den 

Schmarrn mit da POGIDA spoan und aas da worma Stubn de Ausländer beim Koffabacka zouschaua.“, 

schließt Maintinger seine politischen Gedanken ab und führt langsam den Bierkrug zum Kopf.


Hohenlohe gibt einen einmaligen Einblick in die Gefühlswelt einer Gemeinde, die unruhigen Zeiten 

entgegengeht. Wenn man in die Gesichter dieser Menschen blickt erkennt man den unsagbaren Stolz 

des Oberpfälzers. Dieser Stolz lässt Hohenlohe als Trutzburg vor dem Mindestlohn auftürmen. „Den 

Robespierre hod sei Erfindung es Leben kost. Warum sollt etz dees beim Mindestlohn andasta 

aschaua?“, skandierte ein älterer Herr mit erhobenen Hacklstecka über die Straße, nachdem er das 

Wort „Mindestlohn“ hörte.



Bild: Pieter Brueghel , Public domain, via Wikimedia Commons

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Kommentare: 5
  • #1

    M (Freitag, 16 Januar 2015 00:49)

    Klasse, owa schau dass Du wennst Dialekt schreibst niat schreibst wäi da BBou sondern Dich a weng an unsere Kreisheimatpfleger oriendiern doust. A "y" kummt im bairischen niat vor. Ansonsten weida a so!

  • #2

    Bernd (Freitag, 16 Januar 2015)

    Irgendwann wird sich der Heimatpfleger an dieser Seite orientieren!

  • #3

    Monika (Freitag, 16 Januar 2015 08:47)

    Die Hohenloher mit ihrer klassisch humanistischen Bildung sind halt eher so die Philhellenisten. Und wenn's für König Ludwig gut genug war, nachad derf ma's scho nehma, des "Y".

  • #4

    Helene Heberlein (Montag, 02 Februar 2015 20:18)

    gibts das auch in hochdeutsch?

  • #5

    Laura (Dienstag, 10 Februar 2015 12:19)

    Gut geschrieben!