So schön ist also die Oberpfalz - eine Filmbesprechung

Die Filmreihe „Schöne Oberpfalz“ des (Ober-)Bayerischen Rundfunks wird im Netz kontrovers diskutiert. In den letzten Tagen erreichten uns zahlreiche Leserbriefe und auch Bitten, dieses Thema als Sprachrohr einer ganzen Bevölkerungsgruppe mit dem nötigen Ernst zu behandeln. Nach eingehender Sichtung des Bildmaterials zieht unser Leiter Ressort Film, Jerome Leutmooser, ein Fazit.

Alter Briefkasten (Standbild)
Alter Briefkasten (Standbild)

Im Grunde bin ich ja begeisterter Radlfahrer. Und gerade deswegen ist es wirklich schade, dass ich gerade an diesem Tag zufällig nicht auf dem Vistalfahrradweg unterwegs war. Denn vielleicht hätte ich dann (Regisseur) Dr. Michael Zehetmair bei den Dreharbeiten am Radlbahnhof in Theuern angetroffen. Ich hätte ihn beglückwünscht und ihm gesagt, wie sehr es mich freut, dass jemand mal einen anständigen Film über die Oberpfalz macht. Dann hätte er womöglich gelacht und ich wäre weitergefahren. Wenig später hätte ich mir dann voller Vorfreude den ersten Teil der Filmreihe „Schöne Oberpfalz“ im dritten Programm angesehen und mich schwarz geärgert, dass ich dem Sohn unseres ehemaligen Staatsministers, stellv. Ministerpräsidenten, und nicht zuletzt passionierten Schwulenfeindes ("Randbereich der Entartung") Johann Baptist Zehetmair (CSU) – und da lasse ich doch gern mal den stereotypen Oberpfälzer in mir von der Leine – keine „gscheide Fotzn“ aufgestrichen habe.

Wie sonst könnte man auf diese fünfundvierzig quälende Minuten andauernde Erniedrigung reagieren? Höchstens noch mit Unverständnis. Bei der vierteiligen Serie stimmt einfach deutlich zu wenig. Die Divergenz von Titel und gezeigtem Inhalt ist grotesk. Um diese aufzulösen, bieten sich im Prinzip zwei Möglichkeiten an:

Entweder man macht eine Sendung namens „Oberpfalz“, in der die Oberpfalz zeigt wird wie sie eben ist: Eher ruhig, dörflich, beschaulich, möglicherweise etwas hinterwäldlerisch – was grundsätzlich gar nicht schlecht ist. Für den Tourismus kann man sich nämlich noch früh genug prostituieren.

Oder aber man macht eine Sendung namens „Schöne Oberpfalz“ und bietet dem Adjektiv „schön“ dann zumindest die Möglichkeit sich in Inhalt und gezeigtem Bildmaterial zeigen zu dürfen. Jeder Kenner der Oberpfalz könnte unzählige schöne und filmenswerte Orte und Begebenheiten an den Filmer bringen. Dann hätte also auch eine Sendung dieser Art ihre Daseinsberechtigung.

Zehetmair entschied sich hingegen für den bizarrsten aller Zwischenwege. Er zeigt unter dem Titel „Schöne Oberpfalz“ vordergründig menschliche wie landschaftliche Tristesse - einen ästhetischen Plattenbau. Der Zuschauer bekommt aus der Oberpfalz eine filmische Postkarte vom Ende der Welt. Ich kenne mich nicht aus im Genre der Satire, aber dieses Werk hätte der große Gerhard Polt wohl kaum eindrucksloser inszenieren können.


Die Kameraarbeit von Zvonimir Novakovic leistet ihr Übriges. Wiederum drängen sich dem Zuschauer Fragen auf: Kameramann - ist das eigentlich zwingend so etwas wie Handwerk oder kann das auch rein deskriptiv einen Mann beschreiben, der eine Kamera hält? Kann man das in einem einstündigen Abendkurs an der VHS Hohenlohe auch selber lernen? Und seit wann herrscht zwischen den drei Herren von Regie, Kamera und Schnitt eigentlich diese bitterkalte Funkstille?

„Des hayn mir bessa higraygt!“ ist der gemeinsame Nenner der vielen Zuschriften, die den Oberpfalz Anzeiger zu diesem Thema erreichten. Wie etwa im vorliegenden Fall vom Arbeitskreis Film eines Kindergartens in Amberg-Sulzbach.
Denn nicht nur technisch, sondern auch faktisch-inhaltlich gibt es grobe Fehler. Falkenberg wird da gern einmal mit Falkenstein verwechselt, und der Murner See wird kurzerhand zum Steinberger See umgetauft. Sieht wohl eh alles gleich aus, Herr Dr. Zehetmair?

Gegenüber der Mittelbayrischen Zeitung sagten Sie dann auch noch, Sie wären überrascht angesichts der ausufernden negativen Kritik, die Ihnen entgegen gebracht wird. Gut zu wissen, dass das Element der Überraschung offensichtlich manchmal noch in Ihr Schaffen vordringen kann. Wir vom Oberpfalz Anzeiger haben jedenfalls einen kleinen Vorschlag: Wir kommen mit unserem Fernsehteam zu Ihnen nach Ottobrunn und zeigen Ihnen kurz, was man aus dieser schönen Stadt - die von manchen auch als „da Oasch vo Minga“ bezeichnet wird – in 45 Minuten so alles rausholen kann.

Ferner betonen Sie gegenüber der MZ sinngemäß, dass Sie sich das Recht zur subjektiven Darstellung von Situationen schon rausnehmen. Das können und sollen Sie gerne und genau das machen wir hier beim Oberpfalz Anzeiger auch - ehrlichen und demokratischen Journalismus. Wenn man aber als Doktor der Philosophie (mit einer Dissertation über Drittkandidaten bei Präsidentschaftswahlen in den USA) so aufdringlich wenig Gespür für Situationen hat (vgl. etwa die Passage über den Kriegerverein), ja wenn man als Zuschauer förmlich spürt, wie Sie mit einer kreisenden Handbewegung und einem leise gezischten „Weiter, weiter!“ den Interviewpartner quasi dazu drängen, bitte doch einfach mal weiter zu reden, dann sollten Sie möglicherweise einmal über einen Berufswechsel nachdenken. Es sei Ihnen an dieser Stelle mitgeteilt: Der Oberpfalz Anzeiger sucht noch einen Praktikanten (Wir können das Praktikum allerdings leider nicht vergüten).


Die Sendereihe insgesamt ist eine Darbietung verpasster Gelegenheiten. Selbst wenn die mundfaulen Oberpfälzer in diversen Interviewszenen offensichtlich nicht mehr weiterwissen, wird gnadenlos draufgehalten. Die Autowerkstatt oder der Briefkasten in Treffelstein, die Kaninchen- oder Taubenzüchter, ein halb abgelassener Stausee, Halteverbotsschilder vor Scheunen, der Kassenbericht des Kriegervereins oder die bezaubernde Miss Tirschenreuth, welche gerne Rad fährt. Die Liste der Banalitäten ist lang. Als Oberpfälzer kann man nur verwundert zurück bleiben. Da ist jede gelebte Sekunde in der Oberpfalz aufregender. Dafür muss nun wirklich niemand einen Fernseher einschalten! Dabei hätte so viel schönes (ich erinnere erneut an den Titel der Sendung) gegeben, was man hätte erzählen beziehungsweise filmen können.

So ist diese Sendereihe nicht mehr als ein weiterer Mosaikstein im fest zementierten Klischeefundament der übrigen Bayern gegenüber der Oberpfalz. Im Grunde kann ich - im Namen des Oberpfalz Anzeigers - dem Regisseur, Dr. Michael Zehetmair, jedoch nur meinen tiefsten Dank aussprechen. Danke, dass sich auf absehbare Zeit sicherlich keiner von diesen arroganten „Groußkopfadn“ aus München oder sonstigen Teilen Bayerns zu uns verirrt. Und falls doch, dann sei noch eines gesagt: Der Watschenbam ist angesägt - und es kann sein dass er kippt.



Bild: von Dirk Vorderstraße, [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)]

Kommentar schreiben

Kommentare: 9
  • #1

    Dr. Kurt Mehringer (Montag, 19 Januar 2015 16:26)

    Es ist unglaublich, wie zehetmair (den Dr. Titel lass ich an dieser stelle weg) die gemütliche Atmosphäre der oberpfalz mit seinen falschen pseudodogmen und Vorurteilen überzieht. Die Wortkargheit lässt sich sicherlich mit den ausgeübten druck von zehetmair bezichtigen, der damit die oberpfälzer als dumme hinterwäldler hinstellt!!! Das von jemanden mit Dr. Titel??? Da schäme ich mich ja, das ich promoviert habe.
    Die Schönheit der oberpfalz ist wohl auch nicht von einem "Ausländer" mit gopro-cam einzufangen. Herr zehetmair bitte versuchen das nächste mal wieder einem wingsuiteflieger von redbull zu filmen wie er mit 120 in einen Berg rasst!!!!!! Und halten Sie sich mit irgendwelchen Kamerageräten fern von unserer Heimat!!!!!

  • #2

    Rafael Verhagen (Montag, 19 Januar 2015 16:50)

    Lieber Dr. Mehringer,
    Ich glaube Sie haben das tiefgründige und hintersinnige Meisterwerk von einem der größten und innovativsten Filmemachern unserer Zeit schlicht und ergreifend nicht verstanden. Nur so kann ich mir eine derart unprofessionellen Kritik erklären.

  • #3

    Dr. Kurt Mehringer (Dienstag, 20 Januar 2015 06:17)

    Sehr geehrter Herr verhagen,ihr Name verrät ihre Herkunft, sodass sie hoffentlich verstehen können das schon allein meine Titelierung es mir nicht erlaubt mich auf das Niveau eines Holländers herabzulassen!

  • #4

    Rafael Verhagen (Dienstag, 20 Januar 2015 13:49)

    Da sieht man es mal wieder: Rassismus, Vorurteile und dazu die Intelligenz einer Serviette! Der Doktor-Titel hat doch in Deutschland seinen kompletten Wert verloren.
    Mein holländischer Vater (übrigens Professor) und meine deutsche Mutter würden sich im Grab umdrehen, wenn sie so etwas lesen müssten.

  • #5

    Dr. Kurt Mehringer (Dienstag, 20 Januar 2015 17:20)

    Herr Verhagen, ich wollte Ihnen gegenüber nicht respektlos erscheinen und auf gar keinen Fall rassistisch. Integration beginnt für mich nicht nur bei den weit angereisten Nordafrikanern, ich finde das gerade bei Mitmenschen aus dem europäischen Ausland eine höhere diskripanz an Integration erforderlich ist. Begraben wir doch das Kriegsbeil, ich komme Ihnen entgegen. Gerade ist nämlich eine Arbeitsstelle frei geworden! Ein Job im roomclean-management, in Fachrichtung Tire-clean, da mein treuer felgenputzer Gregor vladwecmir mit Geld nicht haushalten konnte und deshalb seine Wohnung aufgeben musste und nun wieder in usbekispolen wohnt. Ich biete Ihnen Herr Verhagen nun an für mich zu arbeiten, ich meine mit mir zu arbeiten. Ihre Arbeit umfasst die profilreinigung der reifen, eines Range Rover Sport SVR und eines Land Rover Discouvery Sport HSE LUXURY. Gerade bei der Vergütung zeige ich mich äußerst integrativ, sollten wir jedoch privat besprechen. Das kann ich Ihnen anbieten, es liegt nun an Ihnen mein Großherziges Angebot anzunehmen!
    Nicht vergessen Integration beginnt auch beim Zuwanderer.

  • #6

    Rafael Verhagen (Dienstag, 20 Januar 2015 18:36)

    Okay, Herr Dr. Mehringer, ich nehme Ihre sicher ernst gemeinte Entschuldigung an. Wenn es jedoch um meine Herkunft geht, dann kenne ich keinen Spaß.
    Ihr wirklich nettes Angebot muss ich leider ausschlagen. Sie dürfen meine Absage nicht als einen Affront gegen Sie aufnehmen. Ganz im Gegenteil: Nach Ihren sehr freundlichen Worten würde ich nur zu gerne mit Ihnen arbeiten. Range Rover Sport SVR, Land Rover Discovery Sport HSE LUXURY, das ist Musik in meinen Ohren.
    Aber ich bin bereits in einer festen Anstellung mit einem großzügigen Salär und angenehmen Arbeitszeiten. Außerdem liebe ich es, die 20-Zoll-Felgen des Porsche Cayenne von Dr. Michael Zehetmair zu putzen.
    Wir können uns jedoch gerne einmal auf einen Kaffee in meinem Wohnwagen treffen.

  • #7

    idrahdurchmiteng (Dienstag, 20 Januar 2015 20:13)

    Wer hat eigentlich die zwei zwirnträger reingelassen?? und ihnen erlaubt so einen shitstorm reinzuposten? AN DR MEHRINGRR: was sucht eigentlich ein leitender Radiologe aus der Eifel im oberpfalz Anzeiger?? Und wie klein muss ihr sch***** sein, das man mit seinen fetten Autos pralen muss??
    AN VERHAGEN: Google findet über sie nix, scheinbar sind sie zu unwichtig!!! Und ihr vater ang. Prof findet auch keine Suchmaschine
    I sog bloß ase as da obapfalz mit eng!!

  • #8

    Rafael Verhagen (Mittwoch, 21 Januar 2015 22:07)

    Das kann ich leicht erklären. Ich habe diesen Herbst mit Zehetmair mehrere Wochen in Nordkorea verbracht. Nach einem mehrwöchigen Saufgelage mit Kim Jong-un haben wir festgestellt, dass wir genügend brisante Handyfilmchen von Kim haben. Nachdem wir angekündigt haben, einen Film über den Partylöwen Kim in die Kinos zu bringen, gabs die Rache. Die Hackergruppe der Guardians of Peace hat schließlich alle meine Spuren im Netz verwischt. Deswegen kannst du mich nicht finden!

  • #9

    saubauerschosch (Sonntag, 22 Februar 2015 21:54)

    Oida habts ihr an komplettschloch