Hohenlohe bekommt die Kurtaxe

Das jahrelange Tauziehen des Hohenloher Gemeinderats mit der Staatsregierung um die Verleihung des Prädikats „Trinkkurort“ scheint ein Ende zu haben. In einem feierlichen Akt möchte das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege der Gemeinde Hohenlohe den lang ersehnten Titel als „Born der Bayerischen Seele auf dem Gebiet der Trinkkultur“ erteilen. Was in der Nachkriegszeit als wahnwitziger Vorstoß des bereits verstorbenen Gemeinderatmitglieds Ziegler Friedhelm (CSU) begann, könnte nun im kommunalpolitischen Olymp enden und Sinnbild seiner Schaffenskraft in unserer Gemeinde werden. Wenige Tage vor dem Verleihungsakt werden jedoch Stimmen laut, die dieses Großereignis in seiner ganzen Wirkungskraft vereiteln wollen. Der OA ist gewillt seiner Leserschaft alle Facetten dieser drohenden Posse in gewohnt kritischer Würdigung darzustellen.

Selbst Günther Beckstein erzählte dem Oberpfalz Anzeiger kürzlich nach zwei Maß Bier, dass er die Bestrebungen des Hohenlohener Gemeinderats hinsichtlich der Biertaxe unterstüzt.
Selbst Günther Beckstein erzählte dem Oberpfalz Anzeiger kürzlich nach zwei Maß Bier, dass er die Bestrebungen des Hohenlohener Gemeinderats hinsichtlich der Biertaxe unterstüzt.

Jenseits der Oberpfälzer Grenzen wird Hohenlohe wegen seiner Wasserqualität beneidet und geschätzt. Entgegen der Entwicklung des nahe gelegenen Schwandorfer Seenlands, das nach Beendigung des Kohleabbaus im vergangenen Jahrhundert entstand, kann Hohenlohe seit seiner Gründung auf ein natürliches Wasserreservoir zurückblicken. Wegen der Güte des dort vorhandenen Felsquellwassers, was noch heute in den Vorprogrammen des Hohenloher Kinos eindrucksvoll beworben wird erwarb Hohenlohe bereits früh eine Braugerechtigkeit. Diese historischen Aspekte führte auch seiner Zeit Ziegler Friedhelm ins Feld, als er im Jahre 1968 nach einer Maiandacht in der St. Blasius Kapelle das Wort ergriff und die dort versammelte Menschenmasse mobilisierte. Diese Rede ging als die sog. Blasi-Schwadronade in die Hohenloher Geschichtsbücher ein. „ Dass so eine Inbrunst von einem Menschen ausgeht spürte ich nur noch selten in meinem Leben. Vielleicht noch bei der WM `90 von Matthäus“, so ein damaliger Augenzeuge.
Die nur zu Teilen geschwärzten Protokolle der Gemeinderatssitzungen der Jahre 1968-1971, die dem OA vorliegen, zeigen insbesondere die Motive Zieglers und seiner Getreuen (alle CSU). Diese verfolgten das Ziel durch eine Kurtaxe Gelder in die klammen Kassen der Kommune zu spülen. So wurde beispielsweise in der Gemeinderatssitzung am 20.07.1970 durch den Protokollführer vermerkt: „ Seit jeher trinken wir Bier. Bier ist ein religiöses Gut, das unsere Mönche geschaffen haben. Diese kulturelle Verantwortung müssen wir uns durch die Ernennung zum Trinkkurort verbriefen lassen. Mit der Kurtaxe schröpfen wir dann die Touristen.“. Nur der Vollständigkeit halber sei zu erwähnen, dass im Anschluss Symbolpolitik betrieben und eine Resolution gegen Vaterlandsverräter verabschiedet wurde. Diese Retrospektive in das damalige Gemeindeleben Hohenlohes ermöglicht einen freien Blick auf die verfolgten Absichten der verantwortlichen Gemeindevertreter. Was im Mittelalter der Reliquienhandel war, ist nun die Kurtaxe – Wirtschaftliches Rückgrat einer ganzen Gemeinde.

Die Erhebung der Hohenloher Kurtaxe wird auf zwei Ebenen vollzogen und gilt innerhalb des Gemeinderats gemeinhin als Meisterstück kommunalabgabenrechtlicher Regelungstechnik. Die Kurtaxe entfällt pro getrunkenen Liter Bier und beträgt voraussichtlich 1,40€. Der geneigte Bierliebhaber muss ein Stempelheft (sog. Hohenloher Bier-Bibel, 105 mm × 74 mm) in der Touristeninformation abholen und seinen Führerschein als Pfand geben. Das Stempelheft ist dann in der Gastwirtschaft vorzulegen, um in den Genuss der jahrhundertelangen Bierbraukunst zu kommen. Dort dokumentiert man den Konsum des Bier-Bibel-Inhabers. Schließlich erfolgt die Abrechnung in der Touristeninformation bei Abreise aus Hohenlohe. Ein Missbrauch scheint wegen des zwischenzeitlich eingezogenen Führerscheins nicht gegeben. Mit einem Mengenrabatt können Senioren, Kinder und Gruppen( ab 10 Personen) rechnen. Diese Regelung stellt die Primärebene der Hohenloher Kurtaxe dar. Auf den ersten Blick muss auch jeder Bayer diese Kurtaxe zähneknirschend entrichten.
Dieses Ergebnis scheint in den Augen des Gemeinderats ein missbilligender Umstand zu sein, den es aus der Welt zu schaffen gilt. Deswegen beschloss er eine weitere Regelung auf Sekundärebene einzuführen, den sog. König Ludwig I. – Passus. Sinn und Zweck dieser Lösung ist die Gewähr einer barrierefreien bayerischen Trinkkultur. Alle Bayern sollen eine bereits gestempelte Hohenloher Bier-Bibel zugesendet bekommen. Dadurch erzielt man im eigenen Volk Gunst und Seligkeit. Es zeigt sich erneut in der Geschichte, dass das Wohl der Bevölkerung bei allen Amtsträgern im Freistaat äußerste Priorität genießt. „Bier und Lebensqualität stellen nicht nur in der Gemeinde Hohenlohe eine unüberwindbare Phalanx dar, die schlimmste Zeiten überdauert und ihren festen Platz in der bayerischen Seele hat.“, unterstrich Hohenlohes Stadtheimatpfleger Gmeiner Xaver Ulrich in seinem eingeforderten Gutachten zur Trinkkurtaxe.
Pferdefuß jeder Demokratie ist die Opposition als Ort der Andersdenkenden. Jene Sentenz steht in  nahezu jeder Dorfschulfibel und gewinnt gegenwärtig an Bedeutung. Ein Ärzteehepaar aus Hannover verbringt seit Jahren den Wanderurlaub in den Hohenloher Vilsauen. Dieses Jahr wurde es bei seiner Einkehr – eine ausgiebige Wanderung fördert den Durst –mit der womöglich in Zukunft anfallenden Kurtaxe konfrontiert. Sichtlich pikiert ließen die Eheleute von ihrem Hausanwalt Dr. Heinemann einen Brief an den Hohenloher Gemeinderat und der bayerischen Staatsregierung aufsetzen. Dieses Schriftstück liegt dem OA in Kopie vor. Darin heißt es sinngemäß, dass die Erhebung einer derartigen Kurtaxe womöglich eine Diskriminierung darstelle. Insbesondere sei dies dann der Fall, wenn im Kurort Hohenlohe europäischer Touristenverkehr entstehen solle. Das Ärzteehepaar sei sehr gekränkt wegen der Unannehmlichkeiten und verstehe nicht die vorgenommen Differenzierung von Bayern und Hannoveranern. Folglich müsse der König Ludwig I. – Passus entfernt werden, sodass jedermann gleichbehandelt werde. Schlussendlich liefe es auf eine Gleichstellung Bayerns mit dem Rest Deutschlands und gar Europa hinaus. Somit treffe die Kurtaxe auch jeden bayerischen Geldbeutel gleichermaßen.
Skepsis macht sich auch im Lager der Hohenloher Geistlichkeit breit. Die Trinkkurtaxe stellt in ihren Augen eine verdorbene Profitgier des Menschen dar. So will das bayerische Volk seine Identität dadurch erhöhen, dass andere Völker für den gleichen Lohn mehr zu leisten haben. Es sei die Aufgabe der katholischen Kirche sich gegen diesen Wandel der Zeit zu stellen. „Die bayerische Staatsregierung täte gut daran, sich als einfachen Arbeiter im Weinberg zu sehen. Als ein solcher geziemt es sich nicht mit Neid und Missgunst gegenüber anderen aufzutreten. Bier ist für alle da.“, so Exzellenz Gleitl mit Schaum vor dem Mund. In dem Vorgetragenen schwingt jedoch etwas Ambivalenz mit. Das neu geschaffene Pfarrheim Hohenlohes nutzt das hiesige Felsquellwasser für eine hauseigene Thermen- und Saunalandschaft, die von allen nur liebevoll ‚Stuprum‘ genannt wird. Dort sollen die jüngeren Geistlichen Gedankenhygiene betreiben. Außenstehenden ist der Zutritt aus versicherungstechnischen Gründen untersagt. Die Hohenloher Geistlichkeit hat scheinbar einen Januskopf.
Der Hohenloher Gemeinderat hält trotz der lautwerdenden Gegenstimmen unbeirrt an seinem Plan fest. „Wir werden alle juristischen Möglichkeiten nutzen, um das Interesse Bayerns in Europa zu verteidigen und abwegige Gegenmeinungen im Keim zu ersticken.“, ist in einer amtlichen Bekanntmachung im Schaukasten vor dem Rathaus zu lesen. Es wurde bereits der Jurist Dr. Uli Bause des Rechtsreferats informiert, um ein juristisches Vorgehen zu prüfen. Dieser ist bekannt für seine scharfsinnige Exegese. Zuletzt bezog er Position für das ausgestellt Ölbild Friedhelm Zieglers. Ein parteiloser Oppositioneller forderte wegen der bekanntgewordenen NSDAP- Parteizugehörigkeit Zieglers im Dritten Reich das Ölbild abzuhängen. Bause fasste in seiner unnachahmlichen Art das Problem so zusammen: „Die Frage nach dem Abhängen oder dem Belassen des Bildes am vorgesehen Ort kann dahinstehen, da mir schlechterdings doch niemand im Gemeinderat die Kompetenz über Entscheidungen dieser Tragweite innezuhaben scheint.“. Seitdem ruht der Streit über das Ölbild.
Es scheint Hohenlohe nun gelungen zu sein eine Trinkkurtaxe einzuführen. Da die Mühlen der Justiz nur sehr langsam mahlen, wird diese auch über einen gewissen Zeitraum Bestand haben und der Bavaria ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Sofern ein bayerisches Gericht den König Ludwig I. – Passus für unwirksam erklären sollte, geht für den gegenwärtigen Gemeinderat auch die Welt nicht unter. „Dann spült es zukünftig noch mehr Geld in die Gemeinde und bis irgendein Richterlein das entscheiden sollte, sind wir eh schon in Pension und haben die Schäfchen im Trockenen.“. Wieder einmal gilt: Es zeichnet den guten bayerischen Kommunalpolitiker aus, sich seiner Umgebung anpassen zu können.


Bildquelle: http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Politik/d/529270/beckstein-verteidigt-bier-rede---csu-bei-50-prozent.html#

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Kommentare: 2
  • #1

    Hellerbrandt Georg (Dienstag, 14 Juli 2015 13:02)

    A SOWOS NA ALSO WEY GAYD ETZ DES DAU MIT DEN INTERMET

  • #2

    Luber josef (Samstag, 22 August 2015 15:02)

    I mechat amol wissen, woa des hohaloh ibahabt is....