Oberpfalz obercool

Mit einer neuen Geschäftsidee startet ein Start-Up-Unternehmen aus Holzheiferl 

vorm Wald richtig durch. Die drei Brüder Wolfram, Dennis und Pierre Wammerl 

sind überzeugt, dass es die Oberpfalz wieder auf den touristischen Olymp bringen 

kann.

Als Elvis (re.) 1958 für ein Manöver der US-Army kurzzeitig in Grafenwöhr stationiert war, war die Oberpfalz so sexy wie nie. An diese Zeit möchten die Brüder Wammerl gerne wieder anknüpfen.
Als Elvis (re.) 1958 für ein Manöver der US-Army kurzzeitig in Grafenwöhr stationiert war, war die Oberpfalz so sexy wie nie. An diese Zeit möchten die Brüder Wammerl gerne wieder anknüpfen.

In Zeiten der Urbanisierung und der Hektik der Großstädte sucht der ein oder andere oft sein Heil in der Flucht aufs Land. Hier ticken die Uhren noch anders. Hier kann man sich einfach wieder auf die eigene Person besinnen. Auf diesen Zug sind nun drei Brüder aus einer kleinen Gemeinde in der Nähe vom Mendorferbuch aufgesprungen. Die Wammerls haben den Trend schnell erkannt und sich auf Besucher aus Groß- und Mittelstädten spezialisiert. „Des homma mir glei d‘kennt, dass dou a Potential drinnad steckt. Minga, Berlin, Hamburg – bracht koa Mensch. Dou herunt zu uns, dou wollns etzad hi. Nierd zu de Westpreißn aaf Köln“, erklärt der älteste der drei Wammerl-Brüder, Wolfram.

Und tatsächlich, mit ihrem vielfältigen Angebot konnten die Landwirte und passionierten Hobbyfunker schon Gäste jeden Alters aus der Ferne anlocken. Die Wammerls bieten ihren Kunden neben actionreichen Unternehmungen auch ganz und gar stressfreie Wellness Angebote im Sinne der Bayerischen Traditionen. Das tägliche Sportprogramm beispielsweise, das von Dennis Wammerl konzipiert wurde, beinhaltet Maßkrugstemmen, Fingerhackeln aber auch Heuaufladen. Letzteres ist dem Coach nach besonders gut für die Rückenmuskulatur.

Für die Aktivurlauber unter den Gästen bietet das Start-Up eine Wallfahrt zur Kapelle St. Blasius in Unterlieberheim mit anschließender Einkehr im örtlichen Wirtshaus an. Wer danach immer noch nicht genug hat, kann einfach in der Diskothek Room 76 gemeinsam mit den Landwirten des Landkreises bis in die frühen Morgenstunden weiterfeiern. Auf dem Festanhänger der Familie Wammerl geht es dann schließlich wieder zurück in die Unterkunft. Diese sind zwar sehr schlicht gehalten, lassen aber dennoch kaum etwas vermissen. Die ununterbrochene Warmwasserversorgung in Holzheiferl vorm Wald wurde erst vor ein paar Jahren möglich gemacht und erhöht damit merklich den Komfort der Wammerl-Ranch.

Das Konzept von Wolfram, Dennis und Pierre scheint aufzugehen. Die Umsatzzahlen sind im letzten Quartal noch einmal gestiegen und für die kommende Hauptsaison ist der Hof schon fast ausgebucht. In dieser Unternehmung wird auf jeden Fall deutlich, dass in der Oberpfalz ein ungeahntes touristisches Potential schlummert. Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt, um sich dem Trend „Urlaub auf dem Land“ anzuschließen und damit auch das Angebot in der Region auszubauen. „Die Oberpfalz wieder cool machen“, lautet der Slogan, der über dieser Idee steht. Es muss ja nicht immer Mallorca oder Bibione sein.

3 Kommentare

An einem Sonntag in Paris

Paris wäre ein Traum, haben sie gesagt. Die Stadt sprühe nur so vor urbanem Flair und gefühlsseliger Atmosphäre, haben sie gesagt. Doch der Besuch in der französischen Hauptstadt wurde für ein Ehepaar aus der Oberpfalz zu einem grotesken Reinfall.

Der Schein trügt: eigentlich gibt es viel mehr Menschen in Paris.
Der Schein trügt: eigentlich gibt es viel mehr Menschen in Paris.

Am gestrigen Sonntag wollte Jean-Claude Geißinger in Paris lediglich mit seiner extra übers Wochenende angereisten Frau Sabine den Abschluss seiner sechswöchigen Montage in Nordfrankreich feiern. Doch was die beiden in der Stadt der Liebe erwartete, war alles andere als feierlich. „Mia wolltn praktisch bloß an Kaffee dringa gay. Amoi zum Eiffelturm iwe spoziern, a Selfie mocha, wahrscheins den Lufre a weng oschaua“, erzählt uns der Mechatroniker ratlos. Doch im Stadtkern war kein Durchkommen. Menschenmassen strömten in Richtung Zentrum, legten den Verkehr lahm und selbst per pedes war ein Fortschritt quasi unmöglich.

„I woaß niad, wos dou los woar. Mia hamma uns jo a niad verständigen kenna. Vo dene Franzosn redt ja a fast koana englisch. Und nachad verstayst es eh niad. Wahrscheins hats a Freibier gem. Oda Freifroschschenkel“, grunzt Geißinger.

Der - eigentlich als romantischer Städtetrip geplante - Kurzbesuch in der französischen Hauptstadt war für die Geißingers dadurch leider eine herbe Enttäuschung. Geknickt reisten die beiden noch am selben Abend wieder ab.

„Na, dou kumma nimma hi. Am Sunntoch setz ma uns way jede Woch zum Luitschi nei und no saffma unsern Kaputschino gmiatlich mit Leyd, day wou uns a verstenga,“ versichert uns der aufgewühlte Hohenloher.

Die Erlebnisse des vergangenen Tages möchte er am liebsten einfach nur vergessen.

 


Bild: Unknown, Public domain, via Wikimedia Commons

1 Kommentare