Hohenlohe bekommt die Kurtaxe

Das jahrelange Tauziehen des Hohenloher Gemeinderats mit der Staatsregierung um die Verleihung des Prädikats „Trinkkurort“ scheint ein Ende zu haben. In einem feierlichen Akt möchte das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege der Gemeinde Hohenlohe den lang ersehnten Titel als „Born der Bayerischen Seele auf dem Gebiet der Trinkkultur“ erteilen. Was in der Nachkriegszeit als wahnwitziger Vorstoß des bereits verstorbenen Gemeinderatmitglieds Ziegler Friedhelm (CSU) begann, könnte nun im kommunalpolitischen Olymp enden und Sinnbild seiner Schaffenskraft in unserer Gemeinde werden. Wenige Tage vor dem Verleihungsakt werden jedoch Stimmen laut, die dieses Großereignis in seiner ganzen Wirkungskraft vereiteln wollen. Der OA ist gewillt seiner Leserschaft alle Facetten dieser drohenden Posse in gewohnt kritischer Würdigung darzustellen.

Selbst Günther Beckstein erzählte dem Oberpfalz Anzeiger kürzlich nach zwei Maß Bier, dass er die Bestrebungen des Hohenlohener Gemeinderats hinsichtlich der Biertaxe unterstüzt.
Selbst Günther Beckstein erzählte dem Oberpfalz Anzeiger kürzlich nach zwei Maß Bier, dass er die Bestrebungen des Hohenlohener Gemeinderats hinsichtlich der Biertaxe unterstüzt.

Jenseits der Oberpfälzer Grenzen wird Hohenlohe wegen seiner Wasserqualität beneidet und geschätzt. Entgegen der Entwicklung des nahe gelegenen Schwandorfer Seenlands, das nach Beendigung des Kohleabbaus im vergangenen Jahrhundert entstand, kann Hohenlohe seit seiner Gründung auf ein natürliches Wasserreservoir zurückblicken. Wegen der Güte des dort vorhandenen Felsquellwassers, was noch heute in den Vorprogrammen des Hohenloher Kinos eindrucksvoll beworben wird erwarb Hohenlohe bereits früh eine Braugerechtigkeit. Diese historischen Aspekte führte auch seiner Zeit Ziegler Friedhelm ins Feld, als er im Jahre 1968 nach einer Maiandacht in der St. Blasius Kapelle das Wort ergriff und die dort versammelte Menschenmasse mobilisierte. Diese Rede ging als die sog. Blasi-Schwadronade in die Hohenloher Geschichtsbücher ein. „ Dass so eine Inbrunst von einem Menschen ausgeht spürte ich nur noch selten in meinem Leben. Vielleicht noch bei der WM `90 von Matthäus“, so ein damaliger Augenzeuge.
Die nur zu Teilen geschwärzten Protokolle der Gemeinderatssitzungen der Jahre 1968-1971, die dem OA vorliegen, zeigen insbesondere die Motive Zieglers und seiner Getreuen (alle CSU). Diese verfolgten das Ziel durch eine Kurtaxe Gelder in die klammen Kassen der Kommune zu spülen. So wurde beispielsweise in der Gemeinderatssitzung am 20.07.1970 durch den Protokollführer vermerkt: „ Seit jeher trinken wir Bier. Bier ist ein religiöses Gut, das unsere Mönche geschaffen haben. Diese kulturelle Verantwortung müssen wir uns durch die Ernennung zum Trinkkurort verbriefen lassen. Mit der Kurtaxe schröpfen wir dann die Touristen.“. Nur der Vollständigkeit halber sei zu erwähnen, dass im Anschluss Symbolpolitik betrieben und eine Resolution gegen Vaterlandsverräter verabschiedet wurde. Diese Retrospektive in das damalige Gemeindeleben Hohenlohes ermöglicht einen freien Blick auf die verfolgten Absichten der verantwortlichen Gemeindevertreter. Was im Mittelalter der Reliquienhandel war, ist nun die Kurtaxe – Wirtschaftliches Rückgrat einer ganzen Gemeinde.

Die Erhebung der Hohenloher Kurtaxe wird auf zwei Ebenen vollzogen und gilt innerhalb des Gemeinderats gemeinhin als Meisterstück kommunalabgabenrechtlicher Regelungstechnik. Die Kurtaxe entfällt pro getrunkenen Liter Bier und beträgt voraussichtlich 1,40€. Der geneigte Bierliebhaber muss ein Stempelheft (sog. Hohenloher Bier-Bibel, 105 mm × 74 mm) in der Touristeninformation abholen und seinen Führerschein als Pfand geben. Das Stempelheft ist dann in der Gastwirtschaft vorzulegen, um in den Genuss der jahrhundertelangen Bierbraukunst zu kommen. Dort dokumentiert man den Konsum des Bier-Bibel-Inhabers. Schließlich erfolgt die Abrechnung in der Touristeninformation bei Abreise aus Hohenlohe. Ein Missbrauch scheint wegen des zwischenzeitlich eingezogenen Führerscheins nicht gegeben. Mit einem Mengenrabatt können Senioren, Kinder und Gruppen( ab 10 Personen) rechnen. Diese Regelung stellt die Primärebene der Hohenloher Kurtaxe dar. Auf den ersten Blick muss auch jeder Bayer diese Kurtaxe zähneknirschend entrichten.
Dieses Ergebnis scheint in den Augen des Gemeinderats ein missbilligender Umstand zu sein, den es aus der Welt zu schaffen gilt. Deswegen beschloss er eine weitere Regelung auf Sekundärebene einzuführen, den sog. König Ludwig I. – Passus. Sinn und Zweck dieser Lösung ist die Gewähr einer barrierefreien bayerischen Trinkkultur. Alle Bayern sollen eine bereits gestempelte Hohenloher Bier-Bibel zugesendet bekommen. Dadurch erzielt man im eigenen Volk Gunst und Seligkeit. Es zeigt sich erneut in der Geschichte, dass das Wohl der Bevölkerung bei allen Amtsträgern im Freistaat äußerste Priorität genießt. „Bier und Lebensqualität stellen nicht nur in der Gemeinde Hohenlohe eine unüberwindbare Phalanx dar, die schlimmste Zeiten überdauert und ihren festen Platz in der bayerischen Seele hat.“, unterstrich Hohenlohes Stadtheimatpfleger Gmeiner Xaver Ulrich in seinem eingeforderten Gutachten zur Trinkkurtaxe.
Pferdefuß jeder Demokratie ist die Opposition als Ort der Andersdenkenden. Jene Sentenz steht in  nahezu jeder Dorfschulfibel und gewinnt gegenwärtig an Bedeutung. Ein Ärzteehepaar aus Hannover verbringt seit Jahren den Wanderurlaub in den Hohenloher Vilsauen. Dieses Jahr wurde es bei seiner Einkehr – eine ausgiebige Wanderung fördert den Durst –mit der womöglich in Zukunft anfallenden Kurtaxe konfrontiert. Sichtlich pikiert ließen die Eheleute von ihrem Hausanwalt Dr. Heinemann einen Brief an den Hohenloher Gemeinderat und der bayerischen Staatsregierung aufsetzen. Dieses Schriftstück liegt dem OA in Kopie vor. Darin heißt es sinngemäß, dass die Erhebung einer derartigen Kurtaxe womöglich eine Diskriminierung darstelle. Insbesondere sei dies dann der Fall, wenn im Kurort Hohenlohe europäischer Touristenverkehr entstehen solle. Das Ärzteehepaar sei sehr gekränkt wegen der Unannehmlichkeiten und verstehe nicht die vorgenommen Differenzierung von Bayern und Hannoveranern. Folglich müsse der König Ludwig I. – Passus entfernt werden, sodass jedermann gleichbehandelt werde. Schlussendlich liefe es auf eine Gleichstellung Bayerns mit dem Rest Deutschlands und gar Europa hinaus. Somit treffe die Kurtaxe auch jeden bayerischen Geldbeutel gleichermaßen.
Skepsis macht sich auch im Lager der Hohenloher Geistlichkeit breit. Die Trinkkurtaxe stellt in ihren Augen eine verdorbene Profitgier des Menschen dar. So will das bayerische Volk seine Identität dadurch erhöhen, dass andere Völker für den gleichen Lohn mehr zu leisten haben. Es sei die Aufgabe der katholischen Kirche sich gegen diesen Wandel der Zeit zu stellen. „Die bayerische Staatsregierung täte gut daran, sich als einfachen Arbeiter im Weinberg zu sehen. Als ein solcher geziemt es sich nicht mit Neid und Missgunst gegenüber anderen aufzutreten. Bier ist für alle da.“, so Exzellenz Gleitl mit Schaum vor dem Mund. In dem Vorgetragenen schwingt jedoch etwas Ambivalenz mit. Das neu geschaffene Pfarrheim Hohenlohes nutzt das hiesige Felsquellwasser für eine hauseigene Thermen- und Saunalandschaft, die von allen nur liebevoll ‚Stuprum‘ genannt wird. Dort sollen die jüngeren Geistlichen Gedankenhygiene betreiben. Außenstehenden ist der Zutritt aus versicherungstechnischen Gründen untersagt. Die Hohenloher Geistlichkeit hat scheinbar einen Januskopf.
Der Hohenloher Gemeinderat hält trotz der lautwerdenden Gegenstimmen unbeirrt an seinem Plan fest. „Wir werden alle juristischen Möglichkeiten nutzen, um das Interesse Bayerns in Europa zu verteidigen und abwegige Gegenmeinungen im Keim zu ersticken.“, ist in einer amtlichen Bekanntmachung im Schaukasten vor dem Rathaus zu lesen. Es wurde bereits der Jurist Dr. Uli Bause des Rechtsreferats informiert, um ein juristisches Vorgehen zu prüfen. Dieser ist bekannt für seine scharfsinnige Exegese. Zuletzt bezog er Position für das ausgestellt Ölbild Friedhelm Zieglers. Ein parteiloser Oppositioneller forderte wegen der bekanntgewordenen NSDAP- Parteizugehörigkeit Zieglers im Dritten Reich das Ölbild abzuhängen. Bause fasste in seiner unnachahmlichen Art das Problem so zusammen: „Die Frage nach dem Abhängen oder dem Belassen des Bildes am vorgesehen Ort kann dahinstehen, da mir schlechterdings doch niemand im Gemeinderat die Kompetenz über Entscheidungen dieser Tragweite innezuhaben scheint.“. Seitdem ruht der Streit über das Ölbild.
Es scheint Hohenlohe nun gelungen zu sein eine Trinkkurtaxe einzuführen. Da die Mühlen der Justiz nur sehr langsam mahlen, wird diese auch über einen gewissen Zeitraum Bestand haben und der Bavaria ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Sofern ein bayerisches Gericht den König Ludwig I. – Passus für unwirksam erklären sollte, geht für den gegenwärtigen Gemeinderat auch die Welt nicht unter. „Dann spült es zukünftig noch mehr Geld in die Gemeinde und bis irgendein Richterlein das entscheiden sollte, sind wir eh schon in Pension und haben die Schäfchen im Trockenen.“. Wieder einmal gilt: Es zeichnet den guten bayerischen Kommunalpolitiker aus, sich seiner Umgebung anpassen zu können.


Bildquelle: http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Politik/d/529270/beckstein-verteidigt-bier-rede---csu-bei-50-prozent.html#

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Brauwissenschaftler entschlüsseln Kopfweh-Formel

Aufatmen an den Stammtischen im Regierungsbezirk. Wissenschaftler des Bleißkirchener Forschungsinstituts für Brau- und Brennkunst haben die Formel für Kopfweh-Biere entschlüsselt. Einbußen befürchten nun vor allem die großen Arzneimittelhersteller.

Da war das Studium also doch endlich mal für irgendwas gut: mit Gerstensaft zum Wunderheiler
Da war das Studium also doch endlich mal für irgendwas gut: mit Gerstensaft zum Wunderheiler

Die jahrelange Arbeit hat sich ausgezahlt. Ein Forschungsteam des Instituts für Brau- und Brennkunst in Bleißkirchen hat endlich eine Antwort auf die Frage „Was macht ein Kopfweh-Bier aus?“ gefunden. Das Ergebnis ist erstaunlich, denn laut Forschungsleiter Dr. Karl-Heinz Krug weisen die betroffenen Produkte allesamt eine bestimmte Zusammensetzung von sogenannten Dimpflstoffen auf. Diesen wird nachgesagt, dass sie beim Menschen nach dem Konsum stechende bis dröhnende Kopfschmerzen hervorrufen. Damit hat Krugs Team eine Lösung zur Heilung eines der größten Volksleiden gefunden. Über viele Jahre hinweg hatte die Forschergruppe zahlreiche Bierrezepte analysiert und führte in regelmäßigen Abständen komplizierte Selbstversuche durch. „Eine liebe Zeit, trotz der Vorkommnisse. Menschlich halt.“ So beschreibt Krug die Teamchemie während der Studie mit einem Grinsen im Gesicht.

Jedoch stehen die Ergebnisse der Bleißkirchener unter strengster Geheimhaltung. Auf Anweisung der Regierung Bayerns sollen nun die betroffenen Biere verschiedener Brauereien in ihrer Rezeptur überarbeitet und damit kopfwehfrei gemacht werden. Dies geschieht allerdings nur auf dem Gebiet des Freistaates Bayern. Brauereien jenseits der bayerischen Landesgrenzen werden nicht von der Entdeckung Krugs profitieren können. Damit verschafft sich das Bayerische Bier auf dem nationalen und globalen Markt eine optimale Ausgangslage.

In erster Linie sind es die Stammtische und ihre Wirtshäuser, die jetzt aufatmen. Betroffene Lokalitäten, die jahrelang von Dimpflstoffen verunreinigtes Bier bezogen haben, können ihren Kunden nun wieder frische, schmerzfreie Biere ins Glas zapfen. Der regelmäßige Wirtshausgänger Erwin Zangerl erinnert sich noch gut:„Mei wos hom mir dou miedgmocht. Alle Woch hob i an drum Schädl aaf ghabt, wenn i vom Wirtshaus asse bin. Obwohl i nia vui drunga hob. Drei, vier Hoibe vielleicht a mal, aber nia mehr wey acht und dann seychtane Kopfscherzn. Aber etz gayts wieder auf, des derfts ma glam!“ Und das glauben vor allem die Wirte. Denn deren Bilanz dürfte sich jetzt schlagartig verbessern.

Auf der anderen Seite stehen die großen Hersteller von Arzneimitteln. Ihre Befürchtung ist, dass vor allem der Verkauf von Kopfschmerzmedikamenten jetzt einbrechen wird. Aber die Marketingabteilungen dieser Global Player haben bereits ein Ass im Ärmel: „Reparierbier“. Dieses Produkt soll sich vor allem die heilende Wirkung von Bier zu Nutzen machen und die Verluste des Verkaufs von Kopfschmerzmitteln kompensieren. Durch „Reparierbier“ sollen Krankheitsbilder wie Stress, Trübsal oder Schlafstörungen auf natürlicher Basis geheilt werden. Ein unbedenkliches Naturmittel also. Schlussendlich wird in der Oberpfalz mit Sicherheit jeder von den Ergebnissen dieser bahnbrechenden Forschung profitieren. Der Oberpfalz Anzeiger wünscht dazu ein Prosit der Gemütlichkeit!

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Weil der Mensch ein Mensch ist

Ohne Arbeit ist der Mensch ein niemand. Damit aus dem niemand ein jemand wird, empfiehlt das Hohenloher Jobcenter fürderhin den Gang zu einer Randpartei. „Die Opposition ist tot, es lebe die Randpartei“, steht auf den neugedruckten Prospekten der Agentur für Arbeit. Nächste Woche sollen sie an den Mann gebracht werden. Der Oberpfalz-Anzeiger wollte diesen Husarenritt vorab näher beleuchten und traf sich deswegen mit dem Geschäftsführer des Hohenloher Jobcenters, Griebinger Xaver, im Foyer des Golfclubs Bavaria Weiß-Blau. Ein Kamingespräch.

Griebingers Vision 2020: Die ideale pluralistische und demokratische Gesellschaft
Griebingers Vision 2020: Die ideale pluralistische und demokratische Gesellschaft

Die ostbayerische Peripherie fristet ein stiefmütterliches Dasein ab. Doch die neueste Arbeitsmarktkampagne versucht Hohenlohe aus diesem Dornröschenschlaf wachzuküssen. „I sig mi in da Pflaychd de Bediaftign  z’fördern und z’foadern.“, sprudelt es aus Griebinger heraus. Dieses Mammutprojekt möchte er Hand in Hand mit den Randparteien angehen. Die „Randpartei“ ist in der Fibel des bayerischen Ministeriums für Verbraucherschutz als derjenige Bestandteil der demokratischen Grundordnung beschrieben, der kein „C“ im Parteikürzel trägt. Es fällt einem nun wie Schuppen von den Augen. Dieser Gesprächspartner hat es sich auf die Fahne geschrieben, einen völlig neuen und auch kompromisslosen Weg einzuschlagen. „I bin niad blauäugig.“, setzt Griebinger seine Gedanken fort. Diese beruhen auf einer jahrelangen Beobachtung des kommunalpolitischen Lebens in Hohenlohe. Als Geschäftsführer eines Jobcenters ist er ein Mann der klaren Worte. Die konjunkturelle Antriebsfeder der Randparteien muss nur richtig justiert werden. Griebinger fühlt sich verpflichtet der hohen Fluktuation den Kampf anzusagen „Day karnickln voa si hi owa han z' blayd zum nistn. Und dou setzn mia o.“, veranschaulicht der Jobcenterchef seine Ausführungen. Dabei stellt er der Führungsetage der einzelnen Randparteien ein schlechtes Zeugnis aus. Viele Emporkömmlinge haben nur noch den persönlichen Erfolg im Auge und verschwinden bei dem geringsten politischen Gegenwind bereits wieder in der Versenkung. „Oan richtign Watschenmann, der dou an da Front stayd“, schreitet Griebinger voran „gibt‘s goanimma.“ Aus kommunalpolitischer Sicht ist die Randpartei der kranke Mann Bayerns.

Der "Hohenlohener Weg" - ein Erfolgsmodell?
Der "Hohenlohener Weg" - ein Erfolgsmodell?

Alle Randparteien produzieren zu jeder Kommunalwahl Heerscharen an Stadt- und Kreisratskandidaten, die diesen Titel dann stolz im Briefkopf führen. In der Randpartei muss der politische Quereinsteiger nur ein paar Wochen auf einen einstelligen Listenplatz warten. Bei der CSU bedarf es dafür mindestens drei Wallfahrten nach Wildbad Kreuth und eine zur „Schwarzen Madonna“ nach Altötting. Es fehlt mithin an den identitätsstiftenden Maßnahmen in der Randpartei. Dieses Traditionsvakuum gilt es nun mit Leben zu füllen. Xaver Griebinger sieht es als seine Aufgabe an, dem Patienten unter die Arme zu greifen.

Das Feuer im Kamin fängt verheißungsvoll an zu knistern, während Griebinger seinen Schlachtplan ausbreitet: „Mia han scho awl in da Übazahl. Des kratzad uns gouaniad, wenn mia Leid aas da zwoatn Reih fia d‘Randpartein freigebn, um day z' untastitzn, dass day aa da Mehrheit okean.“ Nach Ansicht Griebingers ist Hohenlohe eine Gemeinde, in der jeder das Recht hat auch die Meinung der Mehrheit zu vertreten. Ein ungeschriebener Grundsatz in der Bayerischen Verfassung besagt, dass eine Hand die andere wäscht. „Da wampade Saumogenfressa hod‘s uns doch voagmacht. Z’Erscht hoda eane blayade Landschaftn vasprocha. Und danou hoda dene aas da ehemalign Dädärä unsane Deppn umme gschickt.“, schallt es aus Griebinger heraus. Er macht nun einen sehr zufriedenen Eindruck.

Es gilt die Zahlen für das kommende Quartal abzuwarten, um erste Erfolgsprognosen abzugeben. Sollte diese Hohenloher Marschroute in Zukunft süße Früchte tragen, plant Griebinger bereits sein nächstes Projekt. Dabei würde er die „Streithanseln“ der bayerischen Gewerkschaften durch kompetente Leute aus der Hohenloher Feuerwehr ersetzen.
Hohenlohe kann sich glücklich schätzen einen Griebinger Xaver in seinen Reihen zu haben.

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Kristall statt Crystal

Die Szenedroge Crystal Meth erfreut sich auch in unserer Region erschreckender Beliebtheit und schickt unseren Nachwuchs dabei zusehends vor die Hunde. Pünktlich zu Beginn des neuen Jahres hat sich die Schlossbrauerei Groum den guten Vorsatz genommen, diesem Verfall der Oberpfälzer Jugend  nicht länger tatenlos zuzusehen.

Man frisst ja auch nicht, wo man scheißt: führende Methproduzenten greifen lieber zum Feierabendbier
Man frisst ja auch nicht, wo man scheißt: führende Methproduzenten greifen lieber zum Feierabendbier

Dem Groumer Brauereichef Ludwig Saudinger bereitet die Thematik schon seit geraumer Zeit Kopfzerbrechen. Er sieht die Freizeitgestaltung der jungen Generation kritisch und vermisst traditionelle Werte: „I hob ja die Leid gseng. Laffa umanand way die letztn Gratler, redn an gscheidn Scheißdreeg und mocha Radau. Wo bleibt na dou die Gmiatlichkeit?“ Seine Brauereistubn – einst ein Ort behaglicher Geselligkeit – bleibt heute immer öfter leer.

Vor allem aus der ehemaligen Tschechei gelangt das Gift in Form von weißem Pulver zu uns. Es ist extrem billig, die Rauschwirkung ist heftig, hält lange an und es macht fast so schnell abhängig wie Kokain. Vor allem die schnelle Anbindung durch die A6 spielt den - wahrscheinlich nicht durch den TÜV abgenommenen - Drogenlaboren (Meth-Küchen) im Nachbarland in die Karten. Saudinger warnt vor den Folgen, die eine weitere Flut dieser Droge für unser Heimatland haben könnte.

Der Rausch an sich ist ihm zu Folge zwar etwas Urbayerisches, allerdings werden zur Zeit einfach die falschen Mittel gewählt.

Um die Rückbesinnung auf das bayerische Brauchtum zu fördern, hat er nun die Kampagne „Bayerische Brauer gegen Crystal Meth“ ins Leben gerufen. Mit markigen Slogans wie „Kristall statt Crystal“ oder „Met statt Meth“ möchte er den Heranwachsenden Alternativen bieten, wie etwa das beliebte klare Weißbier oder den über die Grenzen des Landkreises hinaus bekannten Groumer Honigwein. Saudinger möchte die Betroffenen quasi im Rausch abholen und ihnen andere Möglichkeiten aufzeigen. Bier habe man in Bayern schon immer getrunken, es sei ein bewährtes Rauschmittel. Den pädagogischen Zeigefinger zu erheben sei seine Sache daher nicht: „Die junga Leyd solla ruhich no a Gaudi hom derfa.“ Ein weiterer Pluspunkt unseres Gerstensafts: Er schmecke einfach besser. Nach Aussagen einschlägiger Individuen erinnere der Geschmack von Crystal Meth, so Saudinger, doch stark an Katzenurin.


Dem Braumeister gehe es im Grunde genommen schon in erster Linie um die gute Sache. Wirtschaftliche Vorteile seien aber natürlich ein willkommener Nebeneffekt. Allein etwa 10% des Umsatzes gehen den Oberpfälzer Brauereien jedes Jahr durch die Lappen, weil jugendliche Einstiegskonsumenten lieber dem Crystal Meth frönen. Statt zu einem der mannigfaltigen und geschmacklich komplexen Oberpfälzer Biere zu greifen, welche streng nach dem deutschen Reinheitsgebot von 1516 gebraut werden, bevorzugen sie ein Produkt, das oft unter hygienisch äußerst fragwürdigen Bedingungen hergestellt wurde. Für Saudinger unverständlich: „Ma mou doch dene Tschechenbeidl fir dene ihrn Dreeg niad a no as Göid in Oarsch eineblousn. Mia kennas selber a guad braucha. Da Freistaat gfreit si und unserne kloana Brauerein dads a helfa.“

Um den Start der Kampagne gebührend zu feiern findet am Wochenende auf dem Schloßplatz ein Festbieranstich statt. Als Schirmherr konnte man Landrat Dr. Eberhard Hustenkleiber (CSU) gewinnen.

 

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Mindestlohn essen Kinder auf

Groß war der Aufschrei in Hohenlohe und Umgebung. In einer Nacht-und Nebelaktion wurde der

Mindestlohn von subversiven Kräften in Gesetz gegossen - die Geburtsstunde einer neuen

Dolchstoßlegende. Mit Bedacht schlich sich diese rote Bagage von hinten an und meuchelte

prosperierende Unternehmen auf dem Felde der Weltwirtschaft. Die branchenübergreifenden

Interessenvertreter des Mittelstandes zeigen sich ob des politischen Wendemanövers ihrer geliebten

CSU irritiert. Hinter vorgehaltener Hand fragt man sich schon, ob diese „Hanskaspern“ in Berlin nicht

Beihilfe zum Mord leisten. Wie so oft hat der Oberpfalz Anzeiger den Finger am Puls unserer

Gesellschaft und fühlt nach. Tatort Hohenlohe.

Ein buckeliger Kommunist bestiehlt hinterfotzig einen hart arbeitenden Unternehmer. Historische Darstellung aus dem 16. Jh. von Pieter Brügel d.Ä.
Ein buckeliger Kommunist bestiehlt hinterfotzig einen hart arbeitenden Unternehmer. Historische Darstellung aus dem 16. Jh. von Pieter Brügel d.Ä.

 „Schon seit Urzeiten setzt die bayerische Bevölkerung ihr Kreuz an der richtigen Stelle, zahlt fleißig Steuern und gedenkt stets des viel zu früh verstorbenen F.J. Strauß.“, heißt es im aktuellen Pfarrbrief der Gemeinde St. Aloisius zu Hohenlohe. Fehlende Mitgliedsbeiträge wegen der Kirchenaustritte stehen nun einem Kostenanstieg durch den Mindestlohn gegenüber. Um der betriebswirtschaftlichen Schieflage Herr zu werden, soll bereits ab Februar für den Kirchenbesuch Eintritt verlangt werden. 

Der stetige Geldfluss durch den Klingelbeutel soll mit Predigten aus der eschatologischen Rede Jesu aufrechterhalten werden. (Alternativ durch das Evergreen: die Offenbarung des Johannes) So schmerzhaft die Erfahrungen für die kleine Gemeinde in Hohenlohe auch sind, die große Tragödie spielt sich auf der Weltbühne ab. Die Trennung von Staat und Kirche ist in Bayern und damit auch Deutschland unvorstellbar. Sie sitzen gemeinsam in einem Boot und steuern gegenwärtig auf unruhiger See. Kirchliche Würdenträger fragen sich seit Jahresbeginn, warum die Forderung des Papstes nach einer armen Kirche mit dem Mindestlohn durchgesetzt werden muss. „Irgendwann a mal hom day roudn Sauhund a nu beim Angelusleitn ihre Wurstfinger im Spüll!“, fasst Mesner Hochgesang die Angelegenheit zusammen.

Der Oberpfalz Anzeiger möchte seinen treuen Leserinnen und Lesern nicht die Reaktionen des 

einfachen Mannes auf der Straße vorenthalten. Besonders eingebrannt hat sich – neben dem bunten 

Potpourri aus Hasstiraden wobei dem Wort „Dreegsai“ der Vortritt gelassen wurde – die 

Stellungnahme einer älteren Jungfer. Diese würde nach eigenen Aussagen lieber ein uneheliches Kind 

entbinden, als diesen Mindestlohn ertragen zu müssen. 

Der Hohenloher Heimat- und Kulturverein sieht den Mindestlohn als eine Attacke auf die bayerische 

Gemütlichkeit. So soll die Schlachtschüssel im Gasthaus Stubenvoll nun die längste Zeit 6,50 € 

gekostet haben. Maintinger Toni, seines Zeichens zweiter Vorstand des Kulturvereines, sprach sich 

dem OA gegenüber deutlichst gegen den flächendeckenden Mindestlohn aus: „Den Mindestlohn hod 

da Daifl gseng. Da Preisanstieg regt an jedn aaf, as Diridari siitzd hald nimma so luuga, und iwahapt 

kummt koa gscheide Gsellschaft mehr zam. Unsa Gmaytlichkeit is oans vo die erstn Opfa vo dem 

sozialistischn Grampf dou. D’Frauenbewegung is ja dou a Scheissdreeg dageng!“ Sein Vorschlag wäre 

es den Geltungsbereich des Mindestlohns lediglich auf das Bundesgebiet nördlich der historischen 

Hegemoniegrenze Preußens gegen Bayern und Österreich zu beschränken. Eine Ausnahme dieser 

Regel könnte lediglich für alle ausländischen Arbeitgeber im Freistaat gelten. „Nou kannt ma se den 

Schmarrn mit da POGIDA spoan und aas da worma Stubn de Ausländer beim Koffabacka zouschaua.“, 

schließt Maintinger seine politischen Gedanken ab und führt langsam den Bierkrug zum Kopf.


Hohenlohe gibt einen einmaligen Einblick in die Gefühlswelt einer Gemeinde, die unruhigen Zeiten 

entgegengeht. Wenn man in die Gesichter dieser Menschen blickt erkennt man den unsagbaren Stolz 

des Oberpfälzers. Dieser Stolz lässt Hohenlohe als Trutzburg vor dem Mindestlohn auftürmen. „Den 

Robespierre hod sei Erfindung es Leben kost. Warum sollt etz dees beim Mindestlohn andasta 

aschaua?“, skandierte ein älterer Herr mit erhobenen Hacklstecka über die Straße, nachdem er das 

Wort „Mindestlohn“ hörte.



Bild: Pieter Brueghel , Public domain, via Wikimedia Commons

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Drei im Weggla

Uli Hoeneß (li.) mit Würstchen: der Saubermann produziert die Leibspeiße der FCN-Anhänger.
Uli Hoeneß (li.) mit Würstchen: der Saubermann produziert die Leibspeiße der FCN-Anhänger.

In der heutigen Zeit darf man vieles miterleben. Da soll doch tatsächlich auf dem Altar des transatlantischen Freihandelsabkommens die Nürnberger Rostbratwurst geopfert werden. Dabei wurde doch erst vor einem Jahr extra ein Heimatministerium in Nürnberg eröffnet, um die bayerischen Gepflogenheiten zu pflegen. Muss das jetzt nach Kentucky umziehen? War der Umzug von Bonn nach Berlin nicht Strafe genug?
Für die Zukunft ist zu hoffen, dass Senf und Sauerkraut nicht so schnell verraten werden.

Bild: Senfacy  [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Common

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